Als stolze Pferdebesitzerin liegt mir das Wohl meines Vierbeiners natürlich sehr am Herzen. Als ich auf der Suche nach kalkulierbaren Gesundheitskosten für mein Pferd war, hatte ich Gelegenheit, mit dem Kölner Veterinärmediziner Dr. Wolfgang Göbel zu sprechen. An einigen Beispielen hat er mir deutlich vor Augen geführt, warum die Behandlung eines kranken Pferds schnell ins Geld gehen kann. Lest dazu bitte auch meinen Beitrag „Kalkulierte Gesundheitskosten für mein Pferd. Einfach. Unkompliziert. Und bezahlbar.“

Was bedeutet es, wenn Pferde Koliken bekommen?

Kolik ist ein allgemeiner Begriff für Schmerzen in der Bauchhöhle. In den meisten Fällen entsteht die Ursache im Magen-Darmtrakt. Aufgrund der speziellen Anatomie des Dünn- und Dickdarms ist das Pferd im Verhältnis zu anderen Tierarten sehr anfällig für Koliken.

Wodurch können solche Koliken entstehen?

Es gibt viele Ursachen für Koliken. Oft entstehen sie durch plötzliche Veränderungen in der Haltung. Diese sind beispielsweise zu schnelle Futterumstellungen, Stallwechsel, ungenügendes Anweiden im Frühjahr, zu wenig Wasseraufnahme bei Kälteeinbrüchen. Andere Ursachen sind beispielsweise Entzündungen, angeborene Fehlbildungen in der Bauchhöhle oder auch Umfangsvermehrungen wie Tumore.

Wie können Koliken behandelt werden?

Das hängt von der Ursache und der Form der Koliken ab. Viele sind konservativ zu behandeln – also ohne Operation. Je nach Schweregrad und Form der Kolik umfasst die Therapie das Verabreichen von Schmerzmitteln, Infusionen und Eingeben von Flüssigkeiten über eine sogenannte Nasenschlundsonde.

Ab wann muss ein Pferd in eine Klinik, um eine Kolik zu behandeln?

Eine Behandlung in einer Klinik ist erforderlich, wenn der Tierarzt bei der Untersuchung feststellt, dass die Form der Kolik nur durch eine Operation therapierbar ist (beispielsweise bei einer Dünndarmdrehung). Ein weiterer wichtiger Grund, das Pferd in die Klinik zu fahren, ist eine bestehende Schmerzhaftigkeit des Tieres trotz der Verabreichung von Schmerzmitteln.

Das dürfte ins Geld gehen. Warum sind Kolik-OPs so teuer?

Der Aufwand einer Kolikoperation ist immens. Es braucht einen Chirurgen, einen Anästhesisten und mindestens einen tiermedizinischen Fachangestellten. Hinzu kommen Medikamente, Infusionen und vor allen Dingen die Betreuung des Pferds rund um die Uhr.

Abgesehen vom Aufwand: Wie sind die Heilungschancen für das Pferd?

Das hängt von vielen Faktoren ab. Angefangen vom Alter und Allgemeinzustandes des Pferds bei Einlieferung in die Klinik, Form der Kolik und dem Vorhandensein und Ausmaßes von Darmschädigungen. Eine genauere Einschätzung kann oft erst während der Operation durch den Chirurgen erfolgen. Die Überlebenschancen nach Kolikoperationen sind aber generell in den letzten Jahren deutlich gestiegen.

Viele Pferdebesitzer fürchten sich vor einem Chip. Was ist bedeutet das eigentlich?

Ein Chip ist ein Knorpel-Knochenfragment in Gelenken. Er kann während des Wachstums an der Gelenkfläche entstehen. Ein Chip bleibt entweder an der Stelle, wo er sich gelöst hat, angeheftet (das sogenannte Chipbett), oder er löst sich komplett ab und schwimmt dann frei im Gelenk.

Ab wann wird ein solcher Chip behandlungsbedürftig?

Wenn der Chip an einer anatomisch ungünstigen Stelle liegt und das Gelenk dadurch gereizt wird, kommt es zu einer Gelenkentzündung, das Pferd ist lahm. In späterer Folge entstehen Arthrosen. Um das zu vermeiden, muss der Chip arthroskopisch entfernt werden.

Warum sind Chip-OPs so kostspielig?

Für diese Operationen benötigt man Know-how und in der Anschaffung und Pflege sehr teure Gerätschaften. Die Operationen finden in Vollnarkose statt, daher entsteht ein höherer Kostenanteil an Medikamenten und der Überwachung des Pferds.

Ich habe gehört, dass Tierärzte und Kliniken gerne versicherte Pferde behandeln. Warum ist das so?

Wir Tierärzte machen keinen Unterschied in der Behandlung von versicherten und unversicherten Pferden. Uns fällt aber auf, dass die Pferdebesitzer leichter eine Entscheidung für ihr Pferd treffen können, wenn der finanzielle Aspekt einer Operation und der Nachsorge keine große Rolle spielt.

Mit welcher Klinik arbeiten Sie zusammen, und führen Sie selber Operationen durch?

Wir pflegen einen kollegialen Kontakt mit allen Pferdekliniken in unserem Umkreis. Bei dringenden Notfällen wie Koliken empfehlen wir grundsätzlich die nächstgelegenste Klinik. Ansonsten kennen viele unserer Pferdebesitzer schon eine Klinik und bevorzugen diese dann meistens auch. Wir selbst führen Operationen durch für die keine Klinikbedingungen nötig sind, beispielsweise Kastrationen, Griffelbeinexstirpationen oder Nervenschnitte.

Herr Dr. Göbel, vielen Dank für das Gespräch.

Der Veterinärmediziner Dr. Wolfgang Göbel betreibt eine eigene Tierarztpraxis seit 1997. Seit dem Jahr 2002 betreibt Dr. Göbel seine Praxisräume im Kölner Süden. Zu seinen medizinischen Schwerpunkten zählen die Fachrichtungen Orthopädie und Sportmedizin.

Dr. med. vet. Wolfgang Göbel

Fasanenweg 2-4 | 50996 Köln-Hahnwald

Tel.: 02236- 84 94 70 | Fax: 02236- 84 94 71

dr.wolfgang-goebel@t-online.de

www.vet-goebel.de

Gesundheitskosten für Pferde: Leichtere Entscheidung zur Behandlung, wenn finanzielle Aspekte keine Rolle spielen

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